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Title: "A strange experience in 1925" Ansprache am Swarthmore College 1960 über erste Eindrücke in Amerika von Wolfgang Köhler
Authors: Jaeger, Siegfried
Issue Date: 1992
Publisher: ZPID (Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation)
ZPID (Leibniz Institute for Psychology Information)
Abstract: Im Nachlass von Wolfgang Köhler (1887-1967) fand sich der Text einer im Jahre 1960 am Swarthmore College gehaltenen Ansprache, in der er über seine ersten Eindrücke von den USA im Jahre 1925 berichtet. Die in Englisch gehaltene Ansprache wird in einer Abschrift vorgelegt. Wesentliche inhaltliche Punkte betrafen (damalige) Unterschiede zwischen den USA und Europa, die verglichen mit Köhlers langjährigem Aufenthalt auf Teneriffa gar nicht so groß waren, das damals (vor der Weltwirtschaftskrise 1929) in den USA vorherrschende optimistische Lebensgefühl und die generell anzutreffende Freundlichkeit der Amerikaner aller Schichten. Eindrücke von den im Vergleich mit Deutschland riesigen Dimensionen des Landes werden plastisch geschildert. Vorsichtiges Unverständnis wird geäußert hinsichtlich des in der amerikanischen Psychologie damals dominierenden Behaviorismus. Besonders hervorgehoben werden Ereignisse im Zusammenhang mit Köhlers Vorträgen über seine Primatenforschungen. So habe er zwar im Nordosten, im Mittleren Westen und im Westen darüber referieren können, nicht jedoch im Süden der USA. Dort habe im Jahr 1925 gerade der berühmte Affenprozess stattgefunden, in dem es um die Kontroverse zwischen Evolutionstheoretikern und Kreationisten ging. Die in den Südstaaten gelegenen Universitäten hätten es sich zu ihrem Bedauern nicht leisten können, jemanden einzuladen, dessen Forschungen intelligentes Verhalten auch schon bei Affen (hier Schimpansen) nachgewiesen hatten. Ein Ereignis mit bemerkenswerten Folgen habe sich in Berkeley bei einem tierpsychologischen Vortrag über Grillen ereignet. So habe er die Forschungsergebnisse eines Wiener Zoologen namens Bergen vorgetragen, der mit sinnreichen Experimenten bewiesen habe, daß Grillen hören können. Diese Information sei verzerrt (Ameisen statt Grillen, Köhler selbst und nicht Bergen als Entdecker) einige Tage später in einer Zeitung in San Franciso in sensationshaschendem Stil wiedergegeben worden. Das sei vielleicht noch nicht so bemerkenswert gewesen, wohl aber die Tatsache, dass er auch bei der Rückkehr nach Europa im Jahre 1926 wieder damit konfrontiert worden sei. So habe er gleich in Paris in der europäischen Ausgabe einer amerikanischen Zeitung wiederum die Geschichte über das von ihm angeblich entdeckte Liebesleben von Ameisen lesen können; und bei der Rückkehr nach Berlin hätte eine Anfrage aus England vorgelegen mit der Bitte, doch über diese epochemachenden Entdeckungen Näheres mitzuteilen. Da habe er, Köhler, sich als eine sehr bedeutende Person fühlen können, obwohl es dafür sachlich gar keinen Grund gegeben hätte.
URI: https://psycharchives.zpid.de/handle/20.500.12034/311
http://dx.doi.org/10.23668/psycharchives.298
Appears in Collections:Geschichte der Psychologie - Nachrichtenblatt

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